Die aktuelle Wirtschaftkrise wirkt sich in erheblichem Maß negativ auf die Zulieferindustrie weltweit aus. Im März 2009 berichteten Wirtschaftsexperten der Welthandelsorganisation WTO von einem „erheblichen Rückgang bei Produktion und Handel weltweit“. Dieser begann in den Industrienationen und setzte sich anschließend in den Schwellenländern fort, deren Wachstum stärker vom Export abhängt. In China gingen z. B. die Exporte für den Monat Februar 2009 im Vorjahresvergleich um 26% und verglichen mit Januar 2009 um 28% zurück. Aufgrund der schwachen Konsumnachfrage und zurückgehenden Aufträgen sind die Lieferanten gezwungen, ihre Unternehmen auf diese Herausforderungen auszurichten. In einigen Fällen führt dies zu Fabrikschließungen und Stellenabbau.
In den letzten 20 Jahren hatte sich der adidas Konzern mit mehreren Konsolidierungsphasen und Schließungen von Zulieferbetrieben auseinanderzusetzen. Einige davon waren geplant: im Rahmen unserer langfristigen Strategie, Aufträge vor allem an unsere leistungsstärksten Lieferanten zu vergeben, oder als Folge von Fusionen, Akquisitionen und Veräußerungen. Andere waren dagegen das Ergebnis vorheriger Wirtschaftskrisen: jüngstes Beispiel hierfür ist die asiatische Finanzkrise im Jahr 1998. Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen im Umgang mit Schließungen und Stellenabbau bei Zulieferbetrieben verfügen wir über gut entwickelte Vorgehensweisen, um solche Fälle effektiv begleiten zu können. Im Vordergrund stehen hierbei, die Auswirkungen auf Fabrikarbeiter und die Kommunen vor Ort so gering wie möglich zu halten.
Wie haben wir also auf die derzeitige weltweite Finanzkrise reagiert?
Unser Sozial- und Umweltteam (SEA) hat eng mit unserer globalen Beschaffungsorganisation zusammengearbeitet, um auf die möglichen negativen Auswirkungen für unsere Beschaffungskette vorbereitet zu sein.
- Bereits im November 2008 wurden alle Einkaufsmanager im Bereich Beschaffung erneut über die seit langem bestehenden Richtlinien zur Beendigung der Geschäftsbeziehung (Termination Standard Operating Procedure) informiert, in denen der ethische Umgang mit geplanten Auftragsreduzierungen oder die Beendigung von Geschäftsbeziehungen mit Lieferanten im Detail beschrieben sind. Darüber hinaus haben wir diese Richtlinien auf der Internetseite des adidas Konzerns in transparenter Form veröffentlicht.
- Wir haben für alle Geschäftspartner weltweit Richtlinien zum fairen und transparenten Umgang mit Entlassungen und Freistellungen (Handling Layoffs and Redundancies Guideline) vorbereitet und veröffentlicht. Die Richtlinie basiert auf internationalen vorbildlichen Praktiken im Umgang mit Betriebsschließungen, Kündigungen und Personalabbau und spezifiziert außerdem die Mindesterwartungen des adidas Konzerns.
- Wir haben die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten intensiviert, um ihre Probleme und Bedenken zu verstehen und bezüglich unserer Pläne und Auftragslage größtmöglichste Transparenz an den Tag zu legen.
- Unser System zur Auftragsverteilung favorisiert unsere langjährigen Geschäftspartner, von denen einige bis zu 100% ihrer Kapazität dem adidas Konzern zur Verfügung stellen.
- Wir verfolgen sorgfältig die Strategie ausgewählter Lieferanten und deren Maßnahmen im Personalbereich, einschließlich geplanter Entlassungen oder Restrukturierungsinitiativen. Zudem prüfen wir die Auswirkungen, die ein reduziertes Auftragsvolumen auf die Löhne und die Zusatzleistungen für Arbeitnehmer haben könnte.
- Wir haben unsere Organisation sowie unsere Lieferanten über aktualisierte gesetzliche Bestimmungen bezüglich Stellenabbau und Massenentlassungen in jedem unserer Hauptbeschaffungsländer in Asien umfassend informiert und auf den neuesten Stand gebracht. Zudem haben wir mit Regierungsstellen zusammengearbeitet um zu verstehen, wie deren Reaktion auf die Finanzkrise sich auf die Umsetzung von Praktiken und Richtlinien, wie z. B. bei Mindestlohn und Sozialversicherung, auswirken wird.
- Wir haben gemeinsam mit Organisationen der Vereinten Nationen und asiatischen Nichtregierungsorganisationen für Regierungsstellen eine Orientierungshilfe bezüglich der Auswirkungen der aktuellen Krise auf die Situation von weiblichen Wanderarbeitern formuliert.
Diese Maßnahmen unterstreichen unseren nachhaltigen Einsatz als Unternehmen, verantwortungsbewusst und ethisch korrekt zu handeln sowie unser Bestreben mit den Beschäftigten, die unsere Produkte herstellen, gerecht und rücksichtsvoll umzugehen.